Gemeine Stadt.

Kollektive

Kollektives Zeichnen – mimetische Übung

Marcos Garcia Pérez

Es gibt Gruppen die gut zusammenarbeiten können, und es gibt Gruppen, denen das schwerfällt. Die Beziehungssysteme einer Gruppe werden durch Dynamiken bestimmt, beispielsweise durch Anerkennung von Unterschieden, Offenheit und Verhandlungen zwischen Meinungen, durch Kreativität, Partizipation, Machtteilung und weitere Faktoren.

Wie kann uns ein spielerischer Zustand dabei helfen, für Veränderungen offen zu bleiben? Spielen und Spiele inspirieren mich, künstlerische Methoden zu entwickeln. Es gibt mindestens zwei Arten von Spielen: endliche und unendliche. Erstere haben den Gewinn als Ziel, Letzteren liegt die Absicht zugrunde, niemals aufzuhören. Mimesis ist auch eine Spielform. Die Übung, die ich vorschlage, ist auf die Fähigkeit fokussiert, in der Gruppe etwas für sich und andere zu re-enacten, neu zu inszenieren, nachzustellen. Mimesis geht weiter als Kopieren. Mimesis unterscheidet sich von Mimikry und Imitation. Mimesis fügt etwas Neues dazu. Mimesis ist eine bewusste absichtliche Repräsentation, zum Beispiel in Form von Memes.

Diese Übung kann helfen, kollektiv zu arbeiten, ästhetische Entscheidungen zu treffen und Inhalte gemeinschaftlich zu generieren. Dabei wird eine Sensibilisierung für Gruppendynamiken angeregt.

“Mimesis results in the sharing of knowledge, without every member of a group having to reinvent that knowledge. If the members of a group of mimetically skilled individuals can picture and re-enact their own creative behaviors, then they can reproduce acts generated by others. And this leads to the real creative explosion: reciprocal games, where one player acts and another replies with the same, or a modified, act.“1Paul Pethick, The Power of Play. How play and its games shape life, Lyme Regis: PlayLab Publishing 2021

In der Mitkunstzentrale sehen wir das Zeichnen als Diskurs und gemeinsamen spielerischen Werkstattprozess. Zeichnen als gleichwertiges Medium neben der Sprache, dem Text, dem Objekt oder der Fotografie. Formen, Farben, Muster und Ideen kopieren, transformieren und kombinieren.

Übungsablauf

X Teilnehmer:innen, X Quadrate, X Fragen mit X Runden.
In einem ersten Schritt werden die persönlichen Interessen eingebracht. Jede:r Teilnehmer:in schreibt auf ein kleines Papier ein Stichwort: Welcher Begriff beschäftigt dich gerade zum Thema „Kollektive“?2Die hier präsentierten Zeichnungen entstanden während der Veranstaltung „Kapitel 5. Kollektive“ im Rahmen von „Gemeine Stadt“ am 2. April 2022 im Satellit, Berlin Welches Wort ist für dich dabei wichtig? Es kann auch ein Schallwort oder ein Name sein.

In einem zweitens Schritt hat jede:r Teilnehmer:in drei Minuten Zeit, auf einen Begriff zu reagieren und zeichnend ein Quadrat zu füllen. Dann wird gewechselt und man geht zum nächsten Blatt mit einer neuen Frage und zeichnet in das hier vorliegende freie Quadrat.

Anschliessend wird von jeder Gruppe eine Seite ausgewählt, die sie repräsentiert. Dabei sollten alle zu Wort kommen, verhandeln und sich auf einen Titel einigen.

Diese Übung kann sich immer wieder verwandeln; sie kann kombiniert und auf andere Prozesse übertragen werden.


1. Paul Pethick, The Power of Play. How play and its games shape life, Lyme Regis: PlayLab Publishing 2021.

2. Die hier präsentierten Zeichnungen entstanden während der Veranstaltung „Kapitel 5. Kollektive“ im Rahmen von „Gemeine Stadt“ am 2. April 2022 im Satellit, Berlin.