Auf Spanisch heißt Spannung „tension“. Das Wörterbuch hat für „tension“, wie auch für das deutsche „Spannnung“ sehr viele Bedeutungen parat. Beide Begriffe verweisen auf eine Ambivalenz, eine gleichzeitige Anziehung und Abstossung, sie beschreiben das Aufeinandertreffen von Energien, das im physikalischen Sinne eine Aufladung erzeugt und damit Potenzial verleiht. Das aber ebenso als emotionaler Zustand der Zerrissenheit und Gegensätzlichkeit interpretiert werden kann, der Anstrengung, Angst und Unsicherheit produziert.
Diego Molina greift mit seinen Kollagen, die er zum Thema „Spannung“ für gemeine stadt angefertigt hat, die vielschichtigen Bedeutungen von „tension“ auf und visualisiert sie als Momente des urbanen Alltags: Straßenecke, Begegnung, Bewegung. Eine Spannung zwischen zwei Polen – Leben und Tod -, die auf die Vergänglichkeit der Zeit verweist, die in Materie, Licht und Dunkelheit fließt. Plötzlich huscht mitten in der Nacht ein Fuchs über die Strasse. Ein flüchtiges Dasein. Einsamkeit und Leere bei zunehmender Dichte von Informationen und Ereignissen. Gegensätze und Widersprüche, die bisweilen Gewalt auslösen. Und eine metaphysische Spannung zwischen dem Heiligen und dem Profanen; zwischen dem, was sich zeigt und jenem, was verborgen bleibt, jedoch nicht weniger spürbar ist.
Schließlich ist es das Format der Kollage selbst, die in sich eine Spannung birgt, da sie mit unterschiedlichen Materialien gestaltet wird und in ihr formelle wie inhaltliche Fragmente miteinander kontrastrieren.